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Interview mit dem Start-up Bitvia

„Die Erfahrung, die man braucht, damit das Start-up überlebt, kann man sich nirgendwo anlesen oder anhören.“

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© Bitvia

Erfahren Sie im Interview mit dem Start-up Bitvia wie die drei Gründer mit ihrem Start-up Papier aus Logistikprozessen verbannen wollen.

Das Start-up-Team Bitvia besteht aus den drei Gründern Roger Heines, Sandro Rüttimann und Tomislav Schubert. Roger und Tomislav waren damals in der Unternehmensberatung tätig und haben sich dort während eines gemeinsamen Projektes kennengelernt. Während Roger Erfahrung im Bereich „Strategy & Operations“ mitbringt, ergänzt Tomislav das Team durch sein Wissen als IT Consultant und Freelancer im Bereich Digital Transformation. Als Roger für seine Promotion im Bereich „Blockchain- und Distributed Ledger Technologien“ nach St. Gallen gezogen ist, lernte er Sandro kennen und holte ihn an Board, der damals dort Masterstudent war.  

Zusammen entwickeln die drei Gründer eine Plattform, die es ihren Kund*innen ermöglichen soll elektronisch alle Dokumente rund um grenzüberschreitende Lieferungen auszutauschen. Wie die Idee entstanden ist und ihre Erfahrungen während des Gründungsprozesses, verrät Tomislav im Interview. 

Was und wer steckt hinter dem Start-up „Bitvia“?

In Bitvia steckt die Idee, Papier als Nachweisdokument zur Abwicklung von Transporten aus Logistikprozessen zu verbannen und die Digitalisierung von Supply Chain Prozessen ganzheitlich voranzutreiben. Der aktuell verwendete Transportfrachtbrief hat allein vier Durchschläge pro Lieferung. Hinzu kommen weitere Transport begleitende Dokumente, die der Fahrer mit sich und der Ladung führen und am Ende im Transport-Büro abgeben muss. Wir bieten unseren Kunden eine Plattform, um mit ihren Kunden elektronisch alle Dokumente rund um grenzüberschreitende Lieferungen auszutauschen und diese Lieferungen in real-time nachzuverfolgen. Im B2C Bereich kennt man hier schon gute Trackingmöglichkeiten von DPD oder DHL, im B2B-Bereich gestaltet sich das Ganze aber aufgrund von schmalen Budgets für IT in der Logistikindustrie noch als schwierig. Dazu kommt, dass der Markt stark fragmentiert ist und neben ein paar großen Playern wie Kühne+Nagel, Dachser, usw., überwiegend Kleinfirmen agieren, die sich keine IT-Lösungen mit hohen Integrationskosten leisten können.

Wie sind die Idee und das Konzept für das Start-up entstanden? 

Tomislav: Die Idee kam durch eine Masterarbeit im Bereich „Design of a DLT-based Document Management System in Road Transport“. Die darin geführten Interviews mit den Logistikern und produzierenden Firmen haben uns gezeigt, dass in der Branche noch viel Raum für Digitalisierung ist. Uns ist dadurch klar geworden, dass Papier ohne vernünftige Alternative, weiterhin das vorherrschende Medium als Nachweisdokument sein würde. Dabei sind wir auf die EU-Genehmigung zur Regulierung für den Austausch von elektronischen Frachttransportinformationen aufmerksam geworden. Diese Regulierung gibt den rechtlichen Rahmen vor und besagt, dass ab August 2024, alle Frachtinformationen auch in digitaler Form von Behörden akzeptiert werden müssen. Wir haben dann angefangen uns ein grobes Bild vom Markt und potenziellen Konkurrenzprodukten zu machen.  Das war der Startschuss für Bitvia. Danach haben wir mit einer tiefergehenden Marktpotenzialanalyse weitergemacht und aktiv Kundenfeedbacks zu dem Problem eingeholt. Mit diesem Feedback haben wir unsere Grundannahme validiert und verfeinert und begonnen einen Prototyp zu entwickeln.

Wollten Sie schon immer selbst gründen? 

Tomislav: Ja, bei uns allen war die Motivation etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und ein Produkt zu schaffen, das reale Probleme löst schon immer da.

Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?

Tomislav: Bei uns wählt der*die Kund*in ein Abo, das ein monatliches Kontingent an eCMRs (das sind elektronische Frachtbriefe) beinhaltet. Hier kann der*die Kund*in frei nach Bedarf entscheiden, welches Paket am besten auf die Anforderungen passt. Verändert sich etwas an der Situation und das Geschäft wächst, oder ist das Unternehmen aufgrund von Saisonalität eher in den Sommermonaten aktiv, kann das Abo flexibel daran angepasst werden.

Ist das Kontingent an eCMRs aufgebraucht zahlt der*die Kund*in für zusätzlich erstellte elektronische Frachtbriefe einen kleinen Aufpreis, oder wechselt bei Bedarf in ein anderes Paket. Zur Abwicklung der Lieferungen erhalten Fahrer*innen noch eine App, mit der durch digitale Unterschriften beim Abholen und Anliefern der Transportgüter, Statusänderungen im Portal für alle beteiligten sichtbar werden. Versender*innen und Abholer*innen profitieren von einem transparenten Prozess, effizienten Austausch von Dokumenten und werden automatisch über Statuswechsel in unserer Plattform informiert.

Was haben Sie sich für die kommenden Monate mit Bitvia vorgenommen? 

Tomislav: Der nächste große Schritt für uns wird die Fertigstellung unseres MVPs und die Gründung der gemeinsamen GmbH. Danach wollen wir viel Fokus auf Testing- und Vertriebstätigkeiten legen. Da wir zurzeit noch alle nebenbei Arbeiten, wollen wir mit der Gründung auch Vollzeit im Start-up tätig werden und die Investorensuche vorantreiben. Zusätzlich wollen wir unsere Produktvision für weitere Features schärfen und so weitere Prozesse für Speditionen digitalisieren.

Gibt es etwas, was Sie in Ihrer Gründungsphase rückblickend anders gemacht hätten? 

Tomislav: Die Marktvalidierung schneller abschließen und ins „kalte Wasser“ springen. Das heißt den Prototyp schneller mit Kund*innen testen und identifizierte Bugs als Teil des Testing-Prozesses fixen. Wenn nicht sowieso schon eine Firma, wie z.B. eine GmbH besteht, sollte man darauf achten, dass Kern-Komponenten und Aktivitäten, z.B. das Anmelden einer Wortmarke, oder Quellcode von vornerein unter den Schutz einer gemeinsamen Firma gestellt werden. Damit ist das Intellectual Property des Start-ups im Streitfall geschützt. Und ob man will oder nicht, es ist sehr wahrscheinlich, dass nicht immer alles rosarot ist.

Bitvia hat an dem Start-up Inkubartor cetup.INNOLAB teilgenommen. Wobei konnte Sie das Programm am besten unterstützen? 

Tomislav: Die Vorträge waren sehr gut, um Themen wie Marketing, Finanzen, Investorensuche aus einer Flughöhe zu betrachten, die dabei unterstützt Aktivitäten für eigene Start-up abzuleiten – z.B., wenn es darum geht, wie man die Equity-Story aufbereitet, einen Finanzplan erstellt oder bei der Investorensuche vorgeht. Außerdem hat uns das Netzwerk mit gründungserfahrenen Mentor*innen sehr weitergeholfen, beispielsweise beim Validieren des Finanzplans und unserer Produkt-Roadmap.

Welche Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach am wichtigsten, um als Gründer*in erfolgreich zu sein? 

Tomislav: Beharrlichkeit, lösungsorientiertes Denken/Handeln und „raus zoomen“. Es wird Momente geben, in denen man z.B. durch das Feedback in Pitches (oft auch auf sehr nette und konstruktive Weise) ins Zweifeln kommt, ob die Lösung überhaupt wettbewerbsfähig ist, erfolgreich wird oder man auf dem richtigen Weg ist. Natürlich muss man hier reflektieren, braucht aber auch eine gewisse Sturheit bzw. Beharrlichkeit auch einfach weiterzumachen und am Ball zu bleiben. Bei uns gibt es auch Zeiten, bei denen wir uns in Details verlieren, aber Mechanismen implementiert haben, um rauszuzoomen und zu hinterfragen, ob das, was wir gerade tun, zielführend ist, oder wir die Prioritäten ändern sollten.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke in Ihr Start-up Bitvia. Haben Sie zum Schluss noch einen Tipp, was sich zukünftige Gründer*innen anhören oder durchlesen sollten? 

Tomislav: Ich kann das Youtube Video „IBMC 2013 Owlet 1st place” von der International Business Model Competition 2013 empfehlen. Es ist inspirierend, weil es die nötige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Start-ups auf sich ändernde Parameter auf beeindruckende Weise zeigt: Das Start-up „Owlet“ hat ohne Kapital ihr Produkt im Markt validiert und die Gründer haben sich durch Pivotieren Ihres Business-Modells erfolgreich auf sich verändernde Start-up-Hypothesen eingestellt. Ich denke ansonsten sollte man einfach schauen was die eigene Kreativität oder Produktivität fördert. Die Erfahrung, die man braucht, damit das Start-up überlebt, kann man sich nirgendwo anlesen oder anhören.

 

cetup.INNOLAB – Der Inkubator für junge Start-ups

Das Start-up-Team Bitvia nimmt am Inkubatorprogramm cetup.INNOLAB des CET teil. In den Start-up-Programmen des CET werden Gründungsinteressierte und Gründende besonders intensiv geschult und begleitet. Zum CET-Portfolio gehören mehrere Angebote, die sich an den unterschiedlichen Schritten eines typischen Gründungsprozesses orientieren oder aber spezielle Themen im Fokus haben.

Mehr Informationen zu cetup.INNOLAB

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Der Campus der Technischen Universität Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 20- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

Die Einrichtungen der Technischen Universität Dortmund verteilen sich auf den größeren Campus Nord und den kleineren Campus Süd. Zudem befinden sich einige Bereiche der Hochschule im angrenzenden Technologiepark. Genauere Informationen können Sie den Lageplänen entnehmen.