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Das Start-up Acuire im Interview

„Man muss dran glauben, wenn andere es nicht tun.“

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© CET | TU Dortmund
Acuire, v.l.n.r.: Fabian Göddert, Michael Geigerhilk und Lukas Naumann

Fabian Göddert, Lukas Naumann und Michael Geigerhilk sind das Gründungsteam von Acuire. Mit ihrem Start-up wollen sie die Grundstücksakquise in der Immobilienentwicklung vereinfachen. Hindernisse durch Verwaltungsaufwand, balancieren mit Glaskugeln und die Schrauberei an Servern - ein Gründer*innenalltag ist vielseitig. Im Interview mit Fabian und Lukas von Acuire erfahren Sie mehr davon.

Was ist eure Vorgeschichte, was habt ihr vor der Gründung gemacht?
- Fabian: Ich komme ursprünglich aus Münster und habe dann 10 Jahre in München gelebt. Schon während meines Studiums – ich habe BWL, Architektur und Wirtschaftsingenieurwesen studiert – habe ich angefangen, bei einem Immobilienentwickler in der Grundstücksakquise zu arbeiten. So entstand auch quasi der Keim der Gründung: Ich musste für meinen Job Grundstücke finden und prüfen und dabei ist mir tierisch auf die Nerven gegangen, dass ich jedes einzelne Grundstück immer wieder prüfen und immer wieder dieselben Daten suchen musste. Das kostet wahnsinnig viel Zeit. Damals musste ich einfach damit zurechtkommen, der Gedanke bei diesem Prozess etwas verändern zu wollen, blieb aber im Hinterkopf. 2017 bin ich dann nach Dortmund gekommen, habe die Promotion am Lehrstuhl Immobilienentwicklung angefangen und da haben Lukas und ich uns kennengelernt.
- Lukas: Ich bin seit Januar 2019 für die Promotion am Lehrstuhl, habe vorher dort aber auch schon als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet. In den Mittagspausen haben Fabian und ich uns ausgetauscht, was wir vorher gemacht haben und woran wir aktuell gerade so arbeiten. Ich beschäftige mich stark mit Geodaten in der Immobilienwirtschaft und der Nutzung und Analyse von Geodaten. Fabian hat den Impuls zur Zusammenarbeit gegeben, weil unsere Themen einfach sehr gut zusammenpassten. Wir haben angefangen, uns über Ideen auszutauschen, haben diese weiterentwickelt und so begann dann die Idee zu Acuire.
Fabian: Wir haben dann bei cetup.ID mitgemacht. Da war unsere Idee noch eher privatkundenorientiert. Am Ende des Workshops haben wir aber gemerkt, dass es zwar nicht auf diese Art und Weise funktionieren wird – aber vielleicht anders. Also sind wir zur Businessschiene übergewechselt, haben einen Prototypen entwickelt und geschaut, ob die Idee überhaupt Anklang bei den Leuten findet. Dazu haben wir unser Netzwerk aus Wissenschaft und Immobilienentwicklung als Erstkunden genutzt. Als es immer mehr positive Rückmeldungen gab, war das für uns der Zeitpunkt die App auf ein höheres Level heben zu wollen.
Da kam Michael dazu, er hat Automatisierungstechnik in Dresden studiert und arbeitet seit fünf Jahren in der Softwareentwicklung. Wir sind zwar technisch einigermaßen begabt, haben aber keinerlei Softwareerfahrung. Er hat mit allen möglichen Programmiersprachen sehr viel Erfahrung, dadurch haben wir das Produkt eigentlich noch einmal fast neu aufgesetzt- nicht, dass unsere Version schlecht war, aber wir wollten eben, dass die App die Basis wird, um alle unsere möglichen Produktideen einzubauen. Das war der Punkt, an dem wir gemerkt haben, dass es mit Acuire funktionieren kann. Anfang des Jahres haben wir uns für EXIST beworben, im Juli wurde es bewilligt und seit September erhalten wir die Förderung. Die geht dann ein Jahr und darauf sind wir echt stolz.

Hattet ihr schon immer den Wunsch zu gründen?
Lukas: Ich hatte das nicht, ursprünglich gab es andere Pläne und ich wollte eigentlich auch gar nicht promovieren. Ich komme aus Bonn und wollte nach dem Bachelor eigentlich schon wieder zurück nach Bonn. Dann nach dem Master und dann nach der Promotion - wie du siehst, bin ich immer noch hier. Es war nicht so, dass ich schon immer eine Gründung angestrebt habe, es hat sich so ergeben. Ich fand Acuire eine super Idee, die treibende Kraft dahinter ist aber Fabian gewesen, weil er sich damit schon beschäftigt hatte. Ich glaube, wenn ich das richtig verstanden habe, warst du auch nicht jemand, der gesagt hat, ich gründe egal was kommt, sondern du hast dich einfach mit dieser Szene stärker auseinandergesetzt und hast dann das Potenzial stärker erkannt als ich.
- Fabian: Ja, das kann man schon so sagen. Gründen wollen, was Eigenes aufbauen wollen, den Willen dazu habe ich eigentlich schon seit Ewigkeiten. Meine Mutter hatte sich mal selbstständig gemacht, mein Vater hat früher seinen Job als Führungskraft in einem Konzern verloren- das war für mich so der Grund, dass ich gesagt habe, ich möchte niemals ein austauschbares Rädchen sein. Lukas sagt aber schon richtig, ich hätte jetzt nicht einfach auf Teufel komm raus irgendwas gegründet. Ich hatte schon viele Ideen, die sich aber nie wirklich zum Gründen geeignet haben. Selbst als wir bei cetup.ID mitgemacht haben, war es noch nicht so sicher, dass es mit dem Thema Gründung weitergehen soll. Wir haben quasi im Finalpitch einen Pivot hingelegt, weil wir gemerkt haben, das was wir uns überlegt haben, funktioniert so einfach nicht. Wir hatten damals noch einen anderen Dritten im Bunde, der dann abgesprungen ist, einfach weil er ein Stellenangebot von einer für ihn passenderen Firma bekommen hat. Das war dann so eine Situation, in der es danach aussah, dass alles vorbei ist, wir haben uns sogar schon neue Jobs gesucht. Aber irgendwie kam dann noch dieses Gefühl von „das kann es jetzt nicht gewesen sein“. Als ich unsere Situation einem Kumpel beschrieben habe, hat er mir geraten, es noch einmal zu versuchen. „Wenn du dir jetzt einen Job suchst, ziehst du das nie wieder durch. Du würdest das Unternehmen und das sichere Geld nie wieder verlassen und dann war es das“. Das war sein Rat. Also haben wir uns nochmal hingesetzt, ich habe Lukas so lange genervt bis er gesagt hat, ja gut das könnte schon klappen, und dann haben wir uns für cetup.PREINC beworben. Dann haben wir den Prototypen gebaut und da schließt sich die Story wieder.
- Lukas: Obwohl man sagen muss, als wir ins nächste Programm gestartet sind, war das immer noch nur eine Idee von uns. Es hätte immer noch so enden können wie bei cetup.ID, also dass wir das alles hätten abbrechen müssen. Es gab also immer wieder Punkte, an denen unsere Gründung hätte scheitern können.

Wie würdet ihr euer Vorhaben beschreiben, sodass selbst technikunerfahrene Menschen, wie bspw. meine Mutter das Ganze verstehen könnten?
Fabian: Ich kann dir sagen, dass wir darauf noch keine gute, kurze Antwort gefunden haben. Meine Mutter versteht auch noch immer nicht so ganz, was wir hier machen.
Lukas: Ich glaub, die meisten nicken nach unserer Beschreibung und fragen dann nicht weiter nach. Wir haben natürlich einen B2B-Ansatz, sodass unsere Kunden die Problematik und unsere Lösung dazu schon verstehen. Wir helfen Immobilienentwicklern dabei, Grundstücke für den Ankauf einfacher und schneller zu finden und zu prüfen – und das flächendeckend und in Echtzeit. Was ich aber immer sehr griffig finde ist, dass Acuire eine Art Google Maps für die professionelle Grundstücksentwicklung ist. Da können sich die meisten schon was drunter vorstellen. Aktuell ist unser Haupttool auch so eine große Karte, auf der man schön hin und her gehen und sich alle möglichen Analysedaten abrufen kann.

Apropos Daten: Woher stammen die Daten? Gibt es Datenbanken, die ihr nutzen könnt?
- Lukas: Wir haben sehr stark von der Open Data Initiative NRW profitiert. Dort kann man quasi Geodaten aus dem Bestand der Verwaltung komplett abrufen, also alles was nicht eigentümerrelevant ist, bekommt man in der Regel dort. Das ist für ganz NRW verfügbar, was uns den Start sehr erleichtert hat. Jetzt geht es langsam an die anderen Bundesländer, das wird ein bisschen schwieriger, d.h wir müssen aus den Daten, die wir haben das Beste rausholen. Geodaten gibt es aber noch an anderen Stellen: OpenStreetMap ist schon Grundlage für viele Apps, die es gibt. Da ziehen wir z.b. unsere Points of Interest raus. Also hauptsächlich mit Open Data, nebensächlich mit OpenStreetMap-Daten und in Zukunft mit Daten, die wir selbst generieren.

Gab es Stolpersteine in eurem Gründungsprozess? Abgesehen von dem Pivot bei cetup.ID?
- Lukas: Wir hatten schon so ein paar. (Beide lachen.)
Fabian: Wir hatten ein paar Anlaufschwierigkeiten mit EXIST. Der Verwaltungsaufwand für EXIST und für die Verwaltung der Mittel, ist höher als man erwarten würde und nicht unbedingt für Leute geeignet, die noch keine Berührungspunkte mit der öffentlichen Verwaltung haben. Wir hatten den Vorteil, dass wir beide wissenschaftliche Mitarbeiter waren und somit zumindest wussten, was die Einrichtungen sind und die ein oder andere Person kannten. Auch Themen wie Beschaffung oder sowas, die können so viel Zeit und Ressourcen fressen, die dann eben an anderer Stelle fehlen. Das ist auf jeden Fall ein Stolperstein, den man im Auge behalten sollte, wenn man EXIST beantragt: Man braucht die richtigen Partner*innen in der Verwaltung, die einem dabei helfen dieses Programm zu bewältigen. In unserem Fall haben wir diese Partner*innen, abgesehen von unserem früheren Lehrstuhl Immobilienentwicklung, im Centrum für Entrepreneurship & Transfer gefunden.

Wie geht man mit solchen Hindernissen mental um?
- Lukas: Unser Glück war, dass wir zu dem Zeitpunkt noch so viele andere Baustellen hatten. Von daher hat das dann mal eine Rolle gespielt, aber das wurde dann auch ziemlich schnell von anderen Themen, ich sag mal, verdrängt.
Fabian: Ich glaube, die zwei Schlüsselpunkte in solchen Momenten sind zum einen, ein gutes Team. Ich habe mit Lukas und Micha eben ein tolles Team, wir funktionieren zu Dritt einfach sehr, sehr gut. Man spricht zwar immer von Fehlerkultur, aber das funktioniert bei uns einfach alles. Selbst wenn wir mal diskutieren, weil wir nicht einer Meinung sind, können wir immer in der Sache diskutieren, es wird nie irgendwie persönlich. Es gibt auch keinen, der sich irgendwie vor Arbeit drückt, jeder übernimmt Verantwortung. Dadurch, dass wir drei uns in dem was wir können sehr gut ergänzen, gibt es auch nie Reibereien darüber wer jetzt welchen Verantwortungsbereich übernimmt. Verantwortung ist dann auch der zweite Punkt: Jeder muss einfach bereit sein, maximale Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir uns nicht drum kümmern, passiert da nichts. Deshalb liegt die Verantwortung auch immer bei einem von uns dreien oder halt bei uns allen drei gemeinsam- jeder kümmert sich um seine Bereiche und die anderen können sich dann auch darauf verlassen. Dadurch kommt man durch solche Hindernisse, ohne dass man sich alleine fühlt. Man hat immer das Team auf das man sich verlassen kann und das ist sehr viel wert.

Also würdet ihr anderen Gründer*innen empfehlen im Team zu gründen?
- Beide gleichzeitig: Ja, auf jeden Fall!
Lukas: Ich glaube auch, alleine sind viele Sachen gar nicht zu schaffen. Keine Ahnung wie das Menschen machen, die das alleine machen. Das habe ich mich schon immer gefragt, frage ich mich jetzt aber noch viel mehr. Also alleine wäre für mich keine Option. Man kann ja nicht alles im Blick haben und die Personalunion voll Kompetenzen in allen Bereichen sein.

Hättet ihr denn noch andere Tipps für Gründer*innen?
- Fabian: Dazu habe ich vor ca. 14 Tagen erst einen Gastvortrag gehalten, ich könnte jetzt mit meinen sieben Tipps um die Ecke kommen, über die ich da gesprochen habe. Ich glaub das Wichtigste ist… als Gründer jongliert man permanent ganz viele verschiedene Bälle. Weil man so viel gleichzeitig im Blick behalten muss, sind da permanent 10 oder mehr Bälle gleichzeitig in der Luft. Manche dieser Bälle sind aus Glas, manche sind aus Plastik. Irgendwelche fallen immer herunter; der Trick ist zu wissen, welche der Bälle aus Plastik sind, bei denen es okay ist, wenn die mal runterfallen- und welche aus Glas sind. Das sind die, die nicht herunterfallen sollten. So blöd das auch klingen mag, wenn mal ein Kundengespräch nicht so läuft, dann ist das eine Kugel aus Plastik. Es gibt immer noch andere Kunden, die man überzeugen kann und selbst die unzufriedenen Kunden kann man noch überzeugen, indem man das Produkt nach deren Wünschen verbessert. Wenn man aber eine Familie hat und die Familie erkennt einen nicht mehr wieder, weil man die gar nicht mehr sieht, dann ist das eine Glaskugel, die nicht kaputt gehen sollte. Das sind ganz klar so Themen, die man im Auge behalten sollte. Mir wurde in dem Gastvortrag auch die Frage nach der Arbeitszeit gestellt, also wie viele Stunden die Woche ein Gründer so arbeitet. Und klar, da gibt es welche die sagen, sie arbeiten 80 Stunden die Woche. Aber das ist ein Marathon kein Sprint. Klar, arbeitet man jetzt an manchen Tagen vielleicht noch mehr als in früheren Jobs. Aber es ist auf gar keinen Fall so, dass ich gar keine Zeit mehr für meine Freundin oder für meine Familie hätte. Das wäre auf Dauer nicht schaffbar, das würde ich aber auch niemals von meinem Team verlangen.
Lukas: Sehe ich auch so. Ich finde es auch schwierig überhaupt zu sagen, wie viel man arbeitet. Es ist halt mal mehr, mal weniger. Das Schöne an der selbstständigen Tätigkeit ist ja, dass man sich die Arbeit so einteilen kann, wie man möchte und dass man das selbst irgendwie im Blick hat.
Fabian: Es gibt immer noch mehr was man tun kann.
Lukas: Ja, irgendwann muss man einfach aufhören.
Fabian: Oh, einen Tipp habe ich noch, der sauwichtig ist und der uns auch echt geholfen hat: Sich auf das zu konzentrieren, was man kann. Denn es gibt eine Millionen Ideen und die sind erstmal alle sehr wenig wert, wenn man die nicht umsetzen kann. Man ist leider auch nicht immer die richtige Person, die die Idee umsetzen kann. Wenn man eine App entwickeln will und weder selbst Apps entwickeln kann, noch jemand kennt der das kann, hat man ein gewisses Problem. Dann sollte man sich vielleicht überlegen, ob es nicht vielleicht eine andere Idee gibt, für die man besser geeignet ist.

Wie könnt ihr vom Gründerstress abschalten? Oder läuft der Kopf einfach 24/7 weiter?
Lukas: Also ich kann zumindest nicht immer abschalten. Dann grübele ich nachts, z. B. habe ich letztens nachts noch darüber gegrübelt, wie ich diesen PC hier zum Laufen bekommen kann. Das sind so Dinge, die kann ich nicht ganz abschalten. Ich versuche, dann einfach meinen Hobbies nachzugehen. Ich mache gerne Kaffee, bin ein Siebträgermensch und mache ganz gerne, ganz guten Kaffee. Außerdem bin ich jemand, der ganz gerne andere kleine Projekte laufen hat: Ich habe mir selbst einen kleinen Homeserver gebaut, mit dem ich verschiedenes automatisiere. Da freue ich mich schon über die kleinen Dinge, z. B. wenn ich die Wohnung verlasse und das Licht automatisch aus geht. Ich brauche zum Abschalten irgendwelche komischen kleinen Hobbies.
Fabian: Ich koche wahnsinnig gerne, auch wenn ich dafür meistens nur am Wochenende Zeit habe. Aber dann stelle ich mich ganz alleine stundenlang in die Küche und versuche, schöne Sachen zu zaubern, die ich aus Kochshows oder so abgeguckt habe, z.B. Schmorgerichte. Dabei kann ich dann abschalten.

Das spricht alles so ein wenig gegen das Klischee, was man von Start-ups hat. So schlechter Kaffee und Fastfood-Ketten-Essen…
Lukas: Ja, wir arbeiten vielleicht an unserem Image, dass wir nicht diese typischen Gründer sind. Das merkt man schon so ein bisschen (verstellt Stimme): Wir arbeiten kaum, wir trinken nur Kaffee. Also nur den besten natürlich und essen natürlich nur Luxusessen, was wir stundenlang auf dem Herd gelassen haben…

Apropos Image: Habt ihr Vorbilder? Aus dem Startup- Bereich, aber vielleicht auch einfach so?
Lukas: Es gibt in vielen Bereichen jemanden, bei dem man sagt, das ist schon solide was der macht. Im Start-up-Bereich kenne ich mich selbst einfach nicht so gut mit den Gründungsgeschichten aus. Deshalb kann ich da ehrlich gesagt niemanden nennen. Aber es gibt schon echt einige Pioniere, die ich gut finde. Es gibt z.B. „Postgres“, das ist die Erweiterung einer Datenbank und deren Entwickler Paul Ramsey- was der alleine auf die Beine gestellt hat, das hat quasi die ganze Datenbankbranche auf den Kopf gestellt. Und er entwickelt immer wieder neue Sachen. Das ist schon beeindruckend.
Fabian: Ich könnte schwören, ich hätte auf die Frage mal eine gute Antwort parat gehabt. Ich finde Vorbilder auch immer ein bisschen gefährlich. Man neigt dazu, zu idealisieren, selektiv kann man sich sicherlich von vielen Leuten was abgucken und das müssen auch nicht immer die Elon Musks und Jeff Bezos unserer Welt sein. Ich habe mir z.B. viel von meinem Vater abgeschaut. Er hat schon sehr früh mit mir über Führungsthemen und Vertrieb und sowas diskutiert und mir Bücher zu den Themen gegeben. Mein Vater hat ein sehr humanistisches Verständnis von dem Ganzen und das hat mich schon beeinflusst. Ich weiß von ihm z.B., dass es eine gute Führungskraft schafft, die Ziele der Mitarbeiter*innen, mit den Zielen des Unternehmens zu decken. Man sollte als Führungskraft den Menschen hinter dem Mitarbeitenden respektieren und ihn nicht nur als kalte Ressource, die man ersetzen kann, betrachten. Aber ich weiß nicht, ob ich im Allgemeinen von Vorbildern sprechen würde, die ich jetzt irgendwie hätte.

Möchtet ihr denn in 10 Jahren als Vorbilder genannt werden?
Lukas: Das ist jetzt nicht mein erstes Ziel. Also wenn das Unternehmen jetzt echt so super erfolgreich werden würde und so abheben würde, müsste man das schon als Person irgendwie auch nach außen hin spiegeln. Zwangsläufig, ob man will oder nicht. Aber als Ziel würde ich das tatsächlich nicht nennen. Ich würde die Aufgabe annehmen, einfach weil ich es müsste, aber nicht unbedingt, weil das schon immer mein Traum war.
Fabian: Ich glaube, wenn man irgendwo in einer Führung eines Unternehmens ist, hat man immer automatisch eine Vorbildfunktion. Weil das was man tut, damit ist man sprichwörtlich wirklich ein Vorbild. Die Leute gucken sich ja an, wie man agiert und wie man sein Unternehmen führt. Wenn Lukas jetzt z.B. sagen würde, seine Mitarbeiter*innen hätten eine unbegrenzte Anzahl an Urlaubstagen, er selbst nimmt aber nie Urlaub, dann wird auch niemand in der Firma sich trauen, Urlaub zu nehmen. Als Gründer im C-Level hat man immer noch eine andere Strahlkraft ins Unternehmen rein und dessen muss man sich bewusst sein. Man sollte die Unternehmenskultur vorleben, die man sich vom Unternehmen wünscht. Nach außen sehe ich mich aber auf keinen Fall als Vorbild, denn ich kann mir nicht anmaßen, dass jemand denselben Weg geht, den ich gehe. Andere Leute kommen aus anderen Richtungen und haben andere Erfahrungen gemacht, für die wird wahrscheinlich mein Weg der völlig falsche sein. Ich habe auch Sachen gemacht, die Quatsch waren und da könnte ich höchstens den Leuten raten, dass sie es nicht so machen.

Gibt es eurer Meinung nach Eigenschaften, die man als Gründer mitbringen sollte?
Lukas: Man sollte vielleicht ein wenig resistent gegenüber Rückschlägen sein. Man darf sich nicht zu leicht aus dem Konzept bringen lassen. Die eigene Frustrationstoleranz sollte auf jeden Fall nicht allzu niedrig sein. Es gibt auf jeden Fall Rückschläge, die muss man dann einfach ertragen, ein bisschen stoisch und vielleicht in gewissen Bereichen – nicht in allen- aber in gewissen Bereichen mit gesundem Selbstvertrauen. Ohne das Selbstvertrauen könnte es schwierig werden, denn es wird spätestens nach einem Monat jemand kommen, der irgendwas an dir oder deiner Idee auszusetzen hat.

Ist euch das auch passiert, dass die Leute an euch und Acuire etwas herumzumäkeln hatten?
Beide nicken zögerlich.
Lukas: In einzelnen Bereichen ist das schon passiert. Da kamen dann Kommentare, beispielsweise von ehemaligen Arbeitskolleg*innen, zu technischen Sachen. Das wirft mich jetzt nicht aus der Bahn, ich kenne die Person gut genug, um zu wissen, dass sie es nicht so böse meint. Aber es kann passieren. Das muss einem dann egal sein. Man muss halt dran glauben, wenn es andere nicht tun.
 

Wie habt ihr vom CET erfahren?
Fabian: Während meiner Promotion musste ich Querschnittsqualifikationen nachweisen. Im Programm bin ich dann auf das CET und die Summerschool 2019 gestoßen. Da mir der Themenbereich Entrepreneurship immer Spaß gemacht hat, habe ich dort teilgenommen und weil das so interessant war und viel Spaß gemacht hat, ploppte bei mir wieder der Wunsch nach einer Gründung im Hinterkopf auf. Als Lukas und ich dann eine Idee hatten, wusste ich also, dass man uns bei cetup.ID weiterhelfen konnte.
Lukas: Seitdem sind wir dabei und haben alles mitgemacht, was man hier am CET mitmachen kann.

Apropos: Ihr seid im aktuellen cetup.Innolab-Batch. Was für Vorteile bringt das für euch mit?
Lukas: Einige. Dieses Programm passt echt gut zu unserer aktuellen Phase. Wir müssen uns demnächst wieder der Frage der Finanzierung widmen. So ein Jahr EXIST- Förderung ist endlich. Hinzu kommt die Chance einen Mentor an die Seite gestellt zu bekommen, der genau das Aufgabenprofil erfüllt was wir benötigen.  Also ich kann jedem empfehlen bei dem Programm mitzumachen.
Fabian: Die Workshops, die wir bisher mitgemacht haben, waren auch sehr gut. Da ist alles bei was man so braucht: von der Finanzierung, über den Vertrieb, Marketing, bis hin zum Pitchdeck usw. Besonders das mit dem individualisierten Coaching ist, wie Lukas schon sagt, echt toll. Klar, haben alle Start-ups in der Phase ähnliche Fragestellungen und Probleme, die man standardisiert lösen kann und über die wir auch unter den Teams quatschen, aber dieser individuelle Faktor bringt uns nochmal ordentlich weiter.

Zum Abschluss die Frage: Ist das Ruhrgebiet ein guter Ort zum Gründen, oder muss es immer Berlin sein?
Fabian: Ich sage bei jeder Gelegenheit, die sich mir bietet, unser Start-up hätte nirgendwo anders gegründet werden können als hier in NRW. Hier wurden in den letzten Jahren die offenen Daten zur Verfügung gestellt. Dadurch hat sich überhaupt erstmal die Grundlage gebildet, dass wir als Start-up entstehen konnten, denn die Daten sind für uns der überhaupt erste Schritt gewesen sowas zu machen. Wären diese Daten nicht zur Verfügung gestellt worden, gäbe es uns einfach nicht. Deshalb sind wir quasi direktes Resultat aus der Open Data Policy. Die Fakultät Raumplanung, bei der wir promovieren, ist in Deutschland eine der führenden Fakultäten für Stadtplanung. Fast alle öffentlichen Institutionen, die irgendwie mit Stadtplanung zu tun haben, haben auch Leute aus der Raumplanung bei sich. In der Immobilienentwicklung sind Raumplaner auch sehr weit verbreitet und alleine dadurch ist unser Netzwerk immens gewachsen, das hat uns wahnsinnig weitergeholfen. Das ist einfach ein Türöffner. Man sagt ja auch immer so schön: „Daten sind die neue Kohle“ und das können wir auf jeden Fall unterschreiben.
Lukas: Es ist, glaube ich, auch die Mischung aus günstigen Mieten, großem Absatzmarkt usw. Das ist allgemein für alle Start-ups einfach super interessant. Es muss auch nicht immer Berlin oder München sein. Man ist hier einfach ein bisschen offener gegenüber neuen Entwicklungen. Es ist also schon eine gute Idee hier zu gründen.
Fabian: Es kommt aber auch immer ein bisschen so drauf an. B2C war in den letzten 10 Jahren das große Ding bei Start-ups, das funktioniert in Berlin bestimmt wahnsinnig gut. Jetzt ist eher das Jahrzehnt der B2B Start-ups gekommen und ich bin mir ziemlich sicher, dass das Ruhrgebiet hier wahnsinnig gut aufgestellt ist. Hier sind produzierende Unternehmen, Stichwort Industrie 4.0, die funktioniert ohne das Ruhrgebiet einfach nicht. Und obwohl wir jetzt kein Industrie 4.0 Start-up sind, profitieren wir natürlich davon, dass hier so wahnsinnig viele Unternehmen generell angesiedelt sind. Auch, dass hier eine wahnsinnig hohe Dichte an Menschen und Hochschulen ist, macht es für uns natürlich deutlich leichter viele Immobilienunternehmen anzusprechen. Die ganzen Firmen, Hochschulen, Menschen die müssen ja irgendwo wohnen und arbeiten, das machen sie meistens in Immobilien und die müssen von irgendwem gebaut werden- das sind dann unsere Kunden.

Vielen lieben Dank für das Interview und euch weiterhin viel Erfolg!
 

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Anfahrt & Lageplan

Der Campus der Technischen Universität Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 20- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

Die Einrichtungen der Technischen Universität Dortmund verteilen sich auf den größeren Campus Nord und den kleineren Campus Süd. Zudem befinden sich einige Bereiche der Hochschule im angrenzenden Technologiepark. Genauere Informationen können Sie den Lageplänen entnehmen.